Zukunftschancen

Mit Behinderung mitten im Leben– mit Alexander Regal

Episode Summary

Alexander Regal gehört in die Kategorie Beeindruckender Lebenslauf; aber noch mehr in jene der Beeindruckenden Persönlichkeiten. Der 36-Jährige ist Verfahrenstechniker in der pharmazeutischen Produktion bei Takeda, begnadeter Musiker und hat ein sehr breites Interessensspektrum von Gleichberechtigung, über Kunst, Sport und Technik. Und trotzdem gibt es ein Thema, das sein ganzes Leben beeinflusst: seine Gehörlosigkeit. Durch das Gespräch führt Marina Herzmayer.  Dieser Podcast wird präsentiert vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft.

Episode Notes

Alexander Regal gehört in die Kategorie Beeindruckender Lebenslauf; aber noch mehr in jene der Beeindruckenden Persönlichkeiten. Der 36-Jährige ist Verfahrenstechniker in der pharmazeutischen Produktion bei Takeda, begnadeter Musiker und hat ein sehr breites Interessensspektrum von Gleichberechtigung, über Kunst, Sport und Technik. Und trotzdem gibt es ein Thema, das sein ganzes Leben beeinflusst: seine Gehörlosigkeit. 
Durch das Gespräch führt Marina Herzmayer. 
Dieser Podcast wird präsentiert vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft

Episode Transcription

[Intro-Musik]

 

Marina Herzmayer:    Mein heutiger Gast gehört in die Kategorie Beeindruckender Lebenslauf; aber noch mehr in jene der Beeindruckenden Persönlichkeiten. Alexander Regal ist 36 Jahre alt, Verfahrenstechniker in der pharmazeutischen Produktion, begnadeter Musiker und hat ein sehr breites Interessensspektrum von Gleichberechtigung, über Kunst, Sport und Technik. Und trotzdem gibt es ein Thema, das sein ganzes Leben beeinflusst: seine Gehörlosigkeit.

Mein Name ist Marina Herzmayer und ich führe heute durch dieses Gespräch.

 

[Musik]

 

Marina Herzmayer:    Lieber Alexander! Danke für die Einladung, dass wir heute hier bei dir in Wien sein dürfen. Hallo!

 

Alexander Regal:       Hallo Marina! Gerne geschehen.

 

Marina Herzmayer:    Alexander, wir sind heute bei dir in der Firma Takeda Manufacturing AG in Wien und ich bin richtig gespannt auf das Interview. Wie Sie hören können, Alexander kann Lippen lesen, glaube ich. Oder? Wie machst du das, dass du mich heute hier verstehst?

 

Alexander Regal:       Genau. Also ich habe ja meine technischen Hilfsmittel: meine beiden Hörgeräte. Zusätzlich lese ich noch die Lippen ab und so funktioniert das ganz gut. Auch im Arbeitsalltag.

 

Marina Herzmayer:    Spannend! Ich bin sehr gespannt, was du uns alles erzählst.

                                   Alex, du bist gesund zur Welt gekommen. Wie ist das ganze passiert? Wie kam es zu deiner Hörschwäche?

 

Alexander Regal:       Ja, das war im Volksschulalter. Ich war ungefähr acht oder neun Jahre alt und war in einer Schwimmunion. Der Schwimmlehrer hat die kleinen Kinder vor das tiefe Becken aufgestellt und uns hineingestoßen. Dadurch habe ich mehrfache Mittelohrentzündungen entwickelt. Das ist dann weiter gegangen bis zum Innenohr und dann kam die Diagnose. Und so hat das begonnen mit der startenden Schwerhörigkeit.

 

Marina Herzmayer:    Wann ist das dann wirklich signifikant schlechter geworden? Wie alt warst du da zirka?

 

Alexander Regal:       So richtig signifikant schlechter … das war … Also, dass ich am rechten Ohr dann gar nichts mehr gehört habe und dass das wirklich taub wurde, muss 2018 gewesen sein. Denn das war dann der Punkt, wo ich auch meinen Behindertenpass beziehungsweise meinen Behindertenausweis geholt habe. Vorher hatte ich da selbst eher eine ablehnende Einstellung. Ich wollte nicht abgestempelt werden. Aber ich habe dann gesehen, was für Vorteile das auch bringt und dass man eine eigene Identität entwickeln kann.

 

Marina Herzmayer:    Wie geht man als junger Mensch damit um? Wenn du sagst mit zirka 30 oder ein bisschen über 30 Jahren war das rechte Ohr ganz taub, dann hattest du in deinen 20er-Jahren schon wirklich Beeinträchtigungen?! Wie bist du damit umgegangen? Du sagst, Akzeptanz war noch nicht wirklich da. Oder?

 

Alexander Regal:       Der Vorteil, den man hat, ist, dass das nicht von heute auf morgen passiert, sondern schleichend und langsam voranschreitet. Somit bekommt man das nicht so aktuell mit. Und ich habe das lange Zeit auch ausgeblendet und wollte es nicht wahrhaben, dass das passiert. Irgendwann habe ich mich aber damit abgefunden und habe das auch für meine Identität selbst definiert.

 

Marina Herzmayer:    Wie ist diese neue Identität jetzt? Was hat sich da komplett verändert für dich, wenn du sagst, es gibt auch Vorteile?

 

Alexander Regal:       Vorteile davon? Auf jeden Fall, dass die visuelle Wahrnehmung geschärft wird. Man ist fokussierter. Und dadurch, dass ich die Gebärdensprache gelernt habe vor fünf Jahren, habe ich auch gelernt, mehr in Bildern zu denken. Also man denkt dann einfach visueller und vereinfachter.

 

Marina Herzmayer:    Ich habe es ja angesprochen … dein Lebenslauf ist wirklich beeindruckend. Du hast dich in so vielen Bereichen interessiert und auch neben deiner medizinischen Ausbildung warst du im Ausland, hast den Segelschein gemacht und du hast auch beruflich schon sehr viele Stationen durchgemacht. Du warst zum Beispiel in der Bildungsberatung für Gehörlose und schwerhörige Menschen und – glaube ich – auch technischer Assistent. Was hast du da alles gelernt und gemacht?

 

Alexander Regal:       Genau. Super spannend war, als ich für einen Gehörlosenverein in Wien als technischer Assistent gearbeitet habe. Wir haben Beratungen zu technischen Hilfsmitteln für Gehörlose gemacht und auch die ganze Antragstellung dazu. Wie steht denn ein gehörloser oder schwerhöriger Mensch auf? Er hört ja den Wecker nicht mehr wirklich oder nicht mehr so gut. Und das kann dann schon zu einem Problem werden, wenn man pünktlich in die Arbeit kommen will. Und da haben wir eigene Vibrationswecker. Es gibt auch Blitzlampen. Wenn zum Beispiel der Postmann unten anläutet, ist das ganze System verbunden und es gibt optische und haptische Signale, die wir dann auch wahrnehmen können.

 

Marina Herzmayer:    Und wenn man jetzt dein Leben anschaut, das so spannend und vielseitig ist … Gibt es etwas, das du nicht machen kannst oder das dir als gehörloser Mensch vielleicht sogar verboten wird?

 

Alexander Regal:       Verboten … dazu würde mir jetzt nichts einfallen. Aber was ich definitiv nicht machen kann, ist, Walkie-Talkies verwenden [lacht].

 

Marina Herzmayer:    [lacht]

 

Alexander Regal:       Das wird ein Problem. Aber auch telefonieren … das ist nur möglich mit Video-Calls. Also, dass ich mit Videobild und mit Kamera dann auch mein Gegenüber sehe und Lippen ablesen kann, also das Mundbild sehe. 

 

Marina Herzmayer:    Und du hast mir auch erzählt, du warst oder bist begnadeter Musiker. Du hast zwölf Jahre Cello gespielt, sechs Jahr Klavier, Gitarre … Du hast jetzt gewechselt. Aber was mich trotzdem interessieren würde: Wie fühlt sich Musik für dich an? Oder wie viel kannst du noch hören von Musik? Und was machst du jetzt?

 

Alexander Regal:       Ja … es ist definitiv nicht mehr so wie früher. Cello war immer meins. Das war einfach mein Instrument und mein großes Vorbild war damals auch Rostropovich, der Cellist. Jetzt habe ich umgesattelt auf Schlagzeug. Denn der Rhythmus ist immer noch da, die Töne halt nicht mehr so. Aber der Rhythmus ist auch sehr wichtig.

 

Marina Herzmayer:    Aber gibt es etwas, dass du sagst, du spürst die Musik trotzdem, wenn du ein Klavier hörst oder ein Cello? Ist das ein Gefühl für dich? Oder spürst du das irgendwo am Körper?

 

Alexander Regal:       Ja. Man spürt die Schwingungen von den Instrumenten schon noch. Das auf jeden Fall. Man kann die Töne jetzt vielleicht nicht mehr so gut zuordnen. Bei den tiefen Tönen geht es bei mir zum Beispiel besser. Da gibt es auch Unterschiede. Manche Gehörlose tun sich leichter mit höheren Tönen und manche mit tieferen Tönen. Bei mir sind es halt die tieferen Töne. Deswegen ist alles mit Bass und Rhythmus gut. Höhere Töne sind nicht so gut.

 

Marina Herzmayer:    Das ist auch nicht so schön [lacht] … in meinen Ohren.

                                   Also privat würdest du sagen, geht so gut wie alles, bis auf vielleicht telefonieren. Wie sieht es denn mit der Arbeit aus? Wie ging es dir mit dem Einstieg in die Arbeitswelt? Hast du erwähnt, dass du eine Hörschwäche hast? Oder wie bist du damit umgegangen?

 

Alexander Regal:       Am Anfang, bei einem anderen Arbeitgeber, hatte ich noch ein bisschen Bedenken offen damit umzugehen. Ich habe das nicht erwähnt und irgendwann ist das ohnehin rausgekommen. Es ist ja eine unsichtbare Behinderung. Aber mit der Zeit merken das auch die Leute, wenn man nicht darauf reagiert, wenn man angesprochen wird. Und die fragen dich dann: „Hey, was ist los?“ Und ich musste dann erklären, dass es schon an meinen Ohren liegt … da ist etwas. Da habe ich dann gelernt, dass es wirklich besser ist, es direkt anzusprechen und offen zu kommunizieren. Und in 90 Prozent der Fälle werden die Leute auch Verständnis dafür zeigen.

 

Marina Herzmayer:    Und, du hast es ja schon angesprochen, du denkst jetzt mehr in Bildern oder du hast eine bessere visuelle Fähigkeit. Gibt es auch bei der Arbeit Dinge, wo du sagst, es ist vielleicht sogar ein Vorteil für dich?

 

Alexander Regal:       Ja, definitiv. Beim Finden von Fehlern zum Beispiel. Wenn mir etwas auffällt … oder beziehungsweise fallen mir Sachen auf, die anderen nicht so auffallen. Und gerade bei uns in der Produktion ist das sehr wichtig. Kleinigkeiten, die mir auffallen und die ich dann weitersage werden dann aufgearbeitet und das funktioniert sehr gut.

 

Marina Herzmayer:    Du bist ja jetzt seit fast zwei Jahren bei Takeda hier in Wien, in diesem Pharmaunternehmen. Und, was ich so gelesen und gehört habe in der Vorbereitung, ist dieses Unternehmen, gerade was Diversität angeht, ein best practice Beispiel und ein großes Vorbild. Wie ist Takeda jetzt zum Beispiel auf genau deine Schwäche, auf die Hörschwäche, konkret eingegangen? Welche besonderen Vorkehrungen werden in der Firma zum Beispiel getroffen?

 

Alexander Regal:       Also das Großartigste, was wir hier wahrscheinlich haben, was uns von allen anderen Firmen auch unterscheidet und wodurch wir uns absetzen ist, dass wir für verschiedene Bereiche Resource-Gruppen haben. Also eigene Gruppen, mit denen man sich identifizieren kann, mit denen man über Probleme oder spezielle Behinderungen reden kann; zum Beispiel Ethnizität, sexuelle Orientierung, … alles Mögliche. Wir haben da wirklich ganz verschiedene Gruppen. Eine Gruppe davon sind die Enables. Das ist eine Gruppe für Menschen mit Behinderung. Da bin ich auch aktiv dabei. Da werden laufend Schwierigkeiten oder Fälle angesprochen, die wir dann aufarbeiten können. Das wird dann an die Abteilungen weitergegeben und kommuniziert. So werden Probleme sehr schnell gelöst.

 

Marina Herzmayer:    Und auch während der Arbeit? Gibt es besondere Vorkehrungen die du benötigst, damit du sicher arbeiten kannst und damit du quasi ganz normal teilhaben kannst am Arbeitsalltag?

 

Alexander Regal:       Absolut. Sicherheit steht bei uns an oberster Stelle. Ich bin zum Beispiel ausgebildet worden als Räumungshelfer. Da war ich im Mai der erste gehörlose Räumungshelfer von Takeda Österreich. Da fragen sich jetzt sicher viele, wie das geht? Der hört ja den Räumungsalarm oder die Sirene nicht? Ja, da haben wir eigens eine Software nur für das Handy programmiert. Das Handy verbindet sich mit dem Alarm, sobald der losgeht und teilt mir mit, wenn jetzt ein Alarm losgegangen ist. Also ich weiß aktuell immer Bescheid über die Alarme. Das vibriert dann sehr stark und ich bekomme das haptisch sozusagen auch mit, obwohl ich es nicht höre.

 

Marina Herzmayer:    Und wird zum Beispiel in den Produktionshallen oder in den Räumen auch etwas angepasst?

 

Alexander Regal:       Mhm. Zum Beispiel wenn man um die Ecke geht, kann das etwas gefährlich sein, wenn ein größerer Gabelstapler oder Hubstapler vorbeifährt. Da haben wir Spiegel in der Ecke angebracht. Das heißt, gleich, bevor ich um die Ecke gehe sehe ich, wenn da jemand kommt oder mir ein Hubstapler entgegen fährt.

 

Marina Herzmayer:    Spannend.

 

Alexander Regal:       Da haben wir diese Sicherheit.

 

Marina Herzmayer:    Wow. Ich habe immer noch das Gefühl, dass sich manche Menschen schwer tun im Umgang mit behinderten Menschen, weil sie nicht wissen, was sie sagen und fragen dürfen. Was sind so Momente, wo du dir denkst: „Fragt mich und kommt zu mir her.“ Und was sind Momente, wo du froh bist, wenn es einfach einmal kein Thema ist, dass du gehörlos bist?

 

Alexander Regal:       Also ich sage prinzipiell, zu mir kann man immer kommen mit allem und alles fragen. Also ich persönlich habe da jetzt keine Probleme damit. Und unangenehm wäre mir jetzt eigentlich gar nichts.

 

Marina Herzmayer:    Vor allem denke ich mir … gibt es in deinem Freundeskreis noch Fragen oder ist das einfach ganz normal?

 

Alexander Regal:       Das ist ganz unterschiedlich. Also ich habe hörende Freunde und Freundinnen, aber auch gehörlose Freunde und Freundinnen. Das ist sehr, sehr gemischt. Der Umgang ist dann immer ein bisschen anders und die Themen, worüber man dann spricht, sind natürlich auch andere.

 

Marina Herzmayer:    Hmm … ok. Wie unterscheiden die sich ich zum Beispiel? Oder warum unterscheiden sich die Themen?

 

Alexander Regal:       Tja, gute Frage [lacht]. Ich will jetzt nicht irgendwie pauschalisieren oder so, aber bei hörenden Freunden gehen die Themen meist mehr in Richtung Kochen oder etwas mit Anrufen, Handy oder auch Garten, Blumen und Pflanzen. Und bei Gehörlosen ist das Thema mehr auf einer Gefühlsebene. Man spricht mehr über Emotionen. Interessanter Weise … ja … das unterscheidet sich ein bisschen.

 

Marina Herzmayer:    Sehr spannend. Und wenn du sagst, du hast natürlich auch hörende Freunde und Freundinnen … Was sind Dinge, die wichtig sind im Umgang mit gehörlosen Menschen? Worauf sollte man achten?

 

Alexander Regal:       Ganz wichtig ist, dass man sich nicht wegdreht, während man mit einem spricht, weil wir ja trotzdem Lippen ablesen müssen. Und, dass man langsam spricht; nicht zu schnell und keinen starken Dialekt verwendet.

 

Marina Herzmayer:    Das wollte ich dich gerade fragen. Wie geht es dir mit Dialekt? Das ist sicher ungewohnt?

 

Alexander Regal:       Das ist schwieriger, ja. Aber es gibt auch in der Gebärdensprache einen Gebärdendialekt. Also jedes Bundesland in Österreich hat einen eigenen Gebärdendialekt. Ich verstehe zum Beispiel die Oberösterreicher nicht so gut.

 

Marina Herzmayer:    [lacht]

 

Alexander Regal:       Die oberösterreichischen Gehörlosen … hmm … ja [lacht]

 

Marina Herzmayer:    [lacht] Ok. Das wusste ich nicht. Ich dachte Österreich, Deutschland und Schweiz, ist schon kompliziert genug. Aber auch Dialekte … ok.

 

Alexander Regal:       Andere Punkte sind zum Beispiel, dass man einen nicht ruft, sondern hinkommt und auf die Schulter klopft oder tippt. Aber auch nicht kräftig draufschlägt, sondern bedacht antippt [lacht]. Denn da gibt es dann auch manchmal Missverständnisse.

 

Marina Herzmayer:    [lacht] Die Sensorik funktioniert noch?!

 

Alexander Regal:       Ja! [lacht]

 

Marina Herzmayer:    Ja, spannend. Ok. Also nichts bedecken, anschauen und berühren. Ok.

 

Alexander Regal:       Ja, eine andere Möglichkeit jemanden zu rufen wäre, dass man auf den Boden aufstampft. Also das wird man auch öfter beobachten in der Gehörlosen Community, dass Leute stampfen. Und durch die Vibration am Boden reagieren dann die Kommunikationspartner / innen darauf.

 

Marina Herzmayer:    Ok. Und dann gibt es ja noch, du hast es schon ein bisschen angesprochen, eine Herausforderung im Jahr 2022: viele online Meetings. Wie geht das? Oft ist das ein kleines Bild, oft ist die Qualität nicht so gut. Wie machst du das?

 

Alexander Regal:       Ja wir sind hier zum Glück super ausgerüstet. Wir haben Docking Stations und die sind dann mit großen Bildschirmen verbunden. Also ein kleines Bild habe ich eigentlich nie. Und wir haben auch sehr gutes W-LAN hier, also die Verbindung ist super. Das ganze Programm in den Video-Calls arbeitet mit Künstlicher Intelligenz (AI). Und das muss immer dazulernen. Also am Anfang war es ein bisschen schwierig für mich, weil die Übersetzungen teilweise ein bisschen irgendwie waren. Wir hatten zum Beispiel ein Meeting, da ging es um persönliche Schutzausrüstung (PSA) und das wurde dann übersetzt als „persönliches Schnitzel-Restaurant“. Und ich war der Einzige, der zu lachen begonnen hat und die anderen haben gefragt: „Warum lachst du? Was ist los?“ Und dann habe ich ihnen das erklärt und erzählt und sie haben auch gelacht.

 

Marina Herzmayer:    [lacht] Das wurde auf österreichisch übersetzt. [lacht]

 

Alexander Regal:       Ja [lacht]. Weil über Schnitzel haben wir da nicht gesprochen. Definitiv nicht.

 

Marina Herzmayer:    Schön. Du hast jetzt schon viel erwähnt, was bei euch in der Firma möglich ist und Alltag ist. Was ich so mitbekommen habe, sind viele Firmen wirklich beeindruckt, was hier bei Takeda schon alles möglich ist. Was würdest du Firmen raten, die vielleicht noch ein bisschen Scheu haben oder die noch nicht wissen, wie Barrierefreiheit wirklich aussieht oder wie sie funktioniert? Was wäre ein Tipp von dir?

 

Alexander Regal:       Ich würde ihnen raten, so wie wir das hier auch haben, diese Struktur mit Resource-Gruppen. Eigene Gruppen, die dann auf Menschen mit Behinderungen eingehen, sich mit den Themen befassen und auch regelmäßige Meetings abhalten zu diesen Themen; einmal im Monat zumindest. Auch Veranstaltungen abhalten, wo man dann zusammen hingeht. Wir hatten zum Beispiel, das war im August, die Beachvolleyball-EM für Gehörlose. Da war Takeda der Hauptsponsor. Und da waren dann von unserer Resource-Gruppe auch die Leute vor Ort. Ein gehörloser Kollege hat auch mitgespielt bei der EM und den haben wir dann auch kräftig angefeuert. Das würde ich raten. Und auf der anderen Seite würde ich raten – das haben wir auch hier – Behindertenvertrauenspersonen, BVP heißt das. Dass man einen direkten Ansprechpartner definiert, an den oder an die man sich wenden kann.

 

Marina Herzmayer:    Also Takeda hat schon viel gemacht in alle Richtungen. Es gibt zum Beispiel 50:50 Frauen und Männer. Es gibt über 50 Länder, die hier arbeiten. Dann hast du gerade viele Sachen erwähnt. Was ist so das Besondere, wenn man so ein bunter Haufen an Leuten ist, die zusammenarbeiten?

 

Alexander Regal:       Das Besondere ist, dass man sehr viel voneinander mitnehmen kann. Weil ich jetzt bei einer oder einem anderen wieder etwas sehe, oder einen Umgang oder Zugang sehe, den ich vielleicht nicht habe. Und das ist der große Vorteil an Diversität und Vielfalt.

 

Marina Herzmayer:    Also nicht nur kulturell, sondern auch wie man Dinge lösen kann?

 

Alexander Regal:       Genau. Und im Endeffekt eigentlich doch wieder kulturell, weil das ja von unserer Identität und von unserem Charakter heraus so als Output kommt. 

 

Marina Herzmayer:    Und was mir auch noch aufgefallen ist oder das interpretiere ich jetzt so hinein: Dass deine Werte mit den Firmenwerten von Takeda sehr gut zusammenpassen. Also da sind Diversität, Inklusion, Gleichheit. Was sind so private Themen oder gesellschaftliche Themen, die dir persönlich ganz wichtig sind?

 

Alexander Regal:       Ja, definitiv Gleichberechtigung und Inklusion. Dass da mehr gemacht wird, ist mir persönlich sehr wichtig.

 

Marina Herzmayer:    Es fällt immer auf, aber es ist gut, weil ich glaube es ist ein Thema für Frauen und Männer. Nicht nur für Frauen.

 

Alexander Regal:       Ja.

 

Marina Herzmayer:    Das zeigt auch, dass du dich mit ganz alltäglichen Themen befasst. Was ist prinzipiell so deine Message oder deine wichtige Nachricht, die du Menschen mitgeben möchtest, wenn sie mit dir in Kontakt treten?

 

Alexander Regal:       Ganz wichtig ist, dass man den Menschen nicht durch seine Behinderung reduziert, sondern trotzdem seine Fähigkeiten und das, was möglich ist, was er oder sie alles machen kann, erkennt. Und das nicht ausblendet und dann nur die Behinderung sieht.

 

Marina Herzmayer:    Bei dir ist das ja sehr viel. Ob Sport, Kultur, Technik. Aber du hast mir auch verraten, dass dir Zirkuskünste sehr viel Spaß machen. Hast du das selbst aktiv gemacht? Oder Zirkus-Tricks? Oder ist das mehr das Zusehen?

 

Alexander Regal:       Ja, das mache ich immer noch in Richtung Zirkusperformance. Aber alles noch ohne Feuer. Es gibt Stäbe, eines heißt contact staff, das andere nennt sich spinning staff. Also eines wird gedreht über Fingertechnik und das andere ist mehr mit Fliehkräften und Rotationstechnik. Also da gibt es zwei unterschiedliche Techniken. Und das mache ich eben mit einem langen Stab, einem kürzeren Stab. Und dann gibt es eines, das nennt sich Pois. Pois sind so … also eben noch ohne Feuer … Kugeln die an einer Metallkette befestigt sind und man dreht die Kugeln dann.

 

Marina Herzmayer:    Alex, du bist wirklich der Beweis dafür, dass alles möglich ist. Egal ob mit oder ohne Hörfähigkeit. Abschließend noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft deines sehr bunten Lebens. Was steht bei dir noch ganz oben auf deiner Prioritätenliste?

 

Alexander Regal:       Ich würde sehr gerne in die Politik gehen und dort etwas verändern in Richtung Gleichberechtigung, feministische Ansätze, Inklusion. Das wäre eine tolle Sache.

 

Marina Herzmayer:    Ich wünsch dir alles Gute dafür und das viel davon in Erfüllung geht.

                                   Danke, Alexander Regal!

 

Alexander Regal:       Danke, Marina.

 

[Musik]

 

Marina Herzmayer:    Herzlichen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhörer. Wenn euch der Podcast gefallen hat, bewertet ihn bitte auf Apple Podcast oder Spotify. Und wenn ihr der Meinung seid, diese Folgen sollten mehr Menschen zu hören bekommen, dann empfehlt unser Format gerne weiter.

 

[Musik klingt aus]