Zukunftschancen

Blindes Vertrauen – mit Stefanie Bramböck

Episode Summary

In dieser Episode ist ein Sinnbild für Vielseitigkeit und Vereinbarkeit zu Gast: Stefanie Bramböck ist 38 Jahre alt und zeigt ihre zahlreichen Facetten unter anderem als Musikerin, Sozioökonomin, Texterin und Mama. Außerdem ist sie Geschäftsführerin von Discovering Hands und setzt in ihrem Job nicht nur auf Netzwerken, sondern auch auf blindes Vertrauen. Durch das Gespräch führt Marina Herzmayer. Dieser Podcast wird präsentiert vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft.

Episode Notes

In dieser Episode ist ein Sinnbild für Vielseitigkeit und Vereinbarkeit zu Gast: Stefanie Bramböck ist 38 Jahre alt und zeigt ihre zahlreichen Facetten unter anderem als Musikerin, Sozioökonomin, Texterin und Mama. Außerdem ist sie Geschäftsführerin von Discovering Hands und setzt in ihrem Job nicht nur auf Netzwerken, sondern auch auf blindes Vertrauen. Durch das Gespräch führt Marina Herzmayer.
Dieser Podcast wird präsentiert vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft.

Episode Transcription

[Intro-Musik]

 

Marina Herzmayer:    Mein heutiger Gast ist ein Sinnbild für Vielseitigkeit und Vereinbarkeit. Stefanie Bramböck ist 38 Jahre alt und zeigt ihre zahlreichen Facetten unter anderem als Musikerin, Sozioökonomin, Texterin und Mama. Außerdem ist sie Geschäftsführerin von Discovering Hands und setzt in ihrem Job nicht nur auf Netzwerken, sondern auch auf blindes Vertrauen.

                                   Mein Name ist Marina Herzmayer und ich führe heute durch dieses Gespräch.

 

[Musik]

 

Marina Herzmayer:    Hallo liebe Stefanie! Schön, dass du dir Zeit genommen hast und wir heute bei dir sein dürfen.

 

Stefanie Bramböck:   Ja hallo! Ich freue mich sehr, dass ich mit euch sprechen darf. Ich bin ganz neugierig auf die vielen Fragen und freue mich.

 

Marina Herzmayer:    Stefanie, du hast mir ja erzählt, du bist heute quasi wieder zurück in Wien; aus Tirol gestern zurückgekommen. Würdest du sagen, du kommst von der Heimat nach Hause? Oder wie würdest du das beschreiben?

 

Stefanie Bramböck:   Ja, so finde ich es eigentlich sehr gut. Es ist nämlich genau so. Ich bin in Tirol aufgewachsen. In einem kleinen, schönen 300-Einwohner-Dorf. Das war meine Heimat. Aber ich bin dann nach Wien gekommen und bin auch dageblieben und das ist jetzt mein Zuhause. Aber die Heimat … Ich bin und bleibe eine Tirolerin. Das ist klar.

 

Marina Herzmayer:    Im Herzen quasi ist das immer so ein kleines Fleckerl, das noch bleibt, stimmts?

 

Stefanie Bramböck:   Absolut. Absolut.

 

Marina Herzmayer:    Stefanie, bevor wir aber zu deinem aktuellen Leben hier in Wien kommen, würde ich gerne noch ein bisschen zurückgehen und deine Geschichte bis hier her ein bisschen mir anschauen, gemeinsam mit dir. Und ich habe da etwas herausgesucht; der John Miles war das … der hat damals schon gesungen „Music was my first love.“ Könnte man das bei dir auch so behaupten?

 

Stefanie Bramböck:   Ja! Das ist definitiv so, weil ich nämlich mit Musik wirklich aufgewachsen bin. Ich bin in einem Haus aufgewachsen, wo immer musiziert worden ist. Vor allem meine Mama an der Harfe; die hat gespielt. Seit ich denken kann habe ich die Harfe im Ohr. Als Baby und als Kind habe ich immer die Harfe gehört. Es ist sehr viel gesungen worden … meine Oma mit der Mama. Und ich habe auch immer gesungen. Also für mich war singen … Meine Mama sagt selber, ich habe immer auch schon mit dem Reden auch Singen gelernt. Also ich habe immer gesungen. Und ich kenne das auch gar nicht anders, dass man, wenn man zusammensitzt, einfach irgendwann singt. Und ich habe dann auch selber Musikinstrumente gelernt. Das war auch ganz logisch: Flöte, Klavier, dann mit der Mama gemeinsam die Harfe, Gitarre, ein bisschen Saxophon habe ich ausprobiert und vor allem das Singen. Und es war für mich immer ganz normal. Ich war immer erstaunt, wenn andere nicht musiziert haben. Das war für mich wie reden. Singen sowieso, aber auch das Musikmachen hat dazugehört und ist sehr gelebt worden in meiner Familie.

 

Marina Herzmayer:    Mhm. Wie ist es dann eigentlich dazu gekommen … Also ich nehme an, du bist dann auch in eine musische Schule gegangen, oder?

 

Stefanie Bramböck:   Genau. Also es war dann eigentlich auch logisch und klar: Die Steffi macht etwas mit Musik. Und ich habe eigentlich auch gedacht, dass ich jetzt natürlich einmal irgendetwas mit Musik mache. Und habe dann nach dem Gymnasium, Unterstufe, das Musikgymnasium in Innsbruck besucht, mit Klavier als Hauptinstrument. Aber ich habe auch im Chor gesungen. Und das war super natürlich, Musikgymnasium … Wir haben tolle Lehrer gehabt, wir haben viel musiziert und sind herumgefahren. Musik war damals definitiv der Hauptpunkt in meinem Leben. Trotzdem habe ich aber schon gespürt so, mich interessiert schon vieles andere auch noch neben der Musik. Also es ist nicht so ganz nur Musik. Das habe ich damals schon irgendwie gespürt. Aber es war irgendwie, dadurch, dass ich eben so aufgewachsen bin und das auch so gerne gemacht hat, vor allem das Singen, war für mich klar: Die Steffi macht etwas mit Musik und diese Schule machst du jetzt. Und dann bin ich auch am Konservatorium mit dem Klavier gewesen und habe da Unterricht gehabt. Und habe dann, je näher es zur Matura ging, immer mehr schon gespürt, ja, es ist toll und Musik ist wunderbar, aber es ist für mich auch eigentlich ein Hobby. Ich mache das gerne aber so richtig jetzt nur Musik zu machen und das sogar noch als Beruf nur, das hat sich irgendwie noch nicht ganz richtig angefühlt. Und ich habe irgendwie dann überlegt, was ich denn aber sonst machen kann und das war gar nicht so einfach. Also nach der Matura habe ich dann überlegt in Innsbruck, dass ich jetzt einmal ein Jahr lang Sprachen mache. Weil mit Sprachen kann man auch nicht viel falsch machen. Spanisch habe ich dann gelernt. Weil ich eben irgendwie gespürt habe, so mit der Musik, das ist es jetzt nicht. Also Konzertpianistin oder so … das will ich nicht. Und dann habe ich aber das Jahr Spanisch gemacht in Innsbruck und habe dann irgendwie gespürt, ich glaube es ist generell ein bisschen Zeit, dass ich woanders hinkomme. Und zwar örtlich gesehen. Und dann habe ich mir gedacht, wo man denn hingehen kann in Österreich. Und das war dann eigentlich gar nicht geplant, ich habe auch niemanden gekannt, aber irgendwie habe ich mir gedacht, ich gehe jetzt nach Wien und schaue mir einmal die Stadt an. Da kann man ja bestimmt sehr viel machen, da gibt es so viele Unis. Und ich bin dann aus einer totalen Bauchentscheidung heraus – weil ich, wie gesagt, niemanden gekannt habe und auch in der Familie war niemand in Wien; ich war glaube ich einmal vorher in Wien – habe ich beschlossen nach Wien zu gehen und dort zu studieren. Und das war eigentlich im Nachhinein eine der besten Entscheidungen und auch der prägendsten Entscheidungen, weil ich damit dann eigentlich jetzt auch da bin und so bin wie ich bin, weil ich glaube ich, da nach Wien dann gegangen bin.

 

Marina Herzmayer:    Verlässt du dich gerne auf dein Bauchgefühl? Also glaubst du, dass das immer die richtigen Entscheidungen trifft für dich?

 

Stefanie Bramböck:   Also ich verlasse mich da sehr auf mein Bauchgefühl. Ich glaube daran, dass es eine gute Entscheidung ist, wenn es sich im Bauch gut anfühlt. Und ich habe eigentlich auch oft das so gemacht, weil ich auch ein sehr spontaner Mensch bin und mich vielleicht auch sehr spontan für etwas begeistern kann und jetzt nicht so viel über Folgen nachgedacht habe und mir einen Plan zurechtgelegt habe. Also das hat sich bei mir auch immer so ergeben, dass ich einfach eine Bauchentscheidung dann getroffen habe, weil ich jetzt nicht so die strategische Karriereplanerin zum Beispiel auch war. Die Frage „Was machst du in 5 bis 10 Jahren?“ habe ich immer total schwierig gefunden, weil … Keine Ahnung, was ich in 5 bis 10 Jahren mache. Aber es hat sich halt immer auch alles so ergeben und bisher bin ich gut damit gefahren. Deshalb würde ich bisher sagen, ist das Bauchgefühl eine sehr gute Entscheidungsgrundlage. Für mich zumindest passt das.

 

Marina Herzmayer:    Ich finde das auch ganz spannend. Du hast gesagt, du warst zuvor vielleicht nur ein einziges Mal in Wien. Es gibt so viele Menschen, die glaube ich so einen Platz zum Leben suchen. Und ich habe einmal gehört, da gibt es diesen Vergleich mit Blumen: So quasi man muss richtig gepflanzt werden. Wie ist es jetzt dir damit ergangen so in ein unbekanntes Feld hinein mit deinen Tiroler Wurzeln, nach Wien hier her, verpflanzt zu werden?

 

Stefanie Bramböck:   Tatsächlich finde ich das auch richtig, genau. Man hat so einen Platz, wo man sich einfach wohlfühlt, und dann tun sich da verschiedene Dinge auf. Und das war bei mir in Wien … Relativ rasch schon, nachdem ich in Wien war, habe ich gespürt, dass ich da wohnen will. Ich habe Wien einfach als total tolle Stadt empfunden, wo ich nämlich beides habe. Ich wollte einmal, dass da viele Leute sind, ich wollte U-Bahnen sehen, ich wollte sehen, dass viel los ist. Weil ich eben aus einem relativ kleinen Ort gekommen bin, ist das für mich so aufregend gewesen, in einer riesigen Stadt mit Häusern, wo man die Nachbarn nicht kennt, zu wohnen. Und das hat sich so super angefühlt, weil ich es einfach spannend und auch lustig fand. Und dann hat man natürlich schon die Möglichkeiten. Man hat viele Unis gehabt. Ich habe dann nämlich beides versucht. Ich habe schon die Musik noch weiter gemacht und habe Musik studiert, aber ganz etwas anderes daneben mit der Sozioökonomie an der Wirtschaftsuni. Das war auch … In Wien ist das super gegangen, weil es eben da so viele Möglichkeiten gibt. Und trotzdem ist aber Wien auch jetzt nicht so riesig, dass man sich total verloren fühlt, oder dass man nie irgendetwas Grünes sieht, einen Baum oder so. Natürlich fehlt mir das schon ein bisschen. Also als Tirolerin gehe ich wahnsinnig gerne auf Berge und so. Aber ich finde, dass Wien da ein guter Kompromiss war. Und ich habe auch immer gewusst, dass ich ja nicht weg bin aus Tirol. Das sind ein paar Stunden mit dem Zug und dann bin ich wieder in Tirol. Für mich war aber einfach klar, dass ich nicht wohnen und arbeiten und leben will in Tirol, sondern dass das Wien ist. Weil es da einfach für mich viel mehr Möglichkeiten hat und habe ich viel mehr Fantasien entwickeln können, was ich denn machen will und habe ich auch viel mehr verschiedene Leute kennengelernt. Das hat sich für mich als der Platz herausgestellt, wo ich meine vielen Interessen irgendwie alle habe ausleben können. Und die Natur … Ich finde, dass Wien eine wahnsinnig grüne Stadt ist. Und als Tirolerin werde ich oft gefragt, ob mir denn die Berge nicht abgehen. Ja, natürlich schon. Aber ich kann ja dann nach Tirol fahren zum Skifahren. Und man hat in Wien wunderschöne Plätze zum Spazierengehen und im Wiener Walt Mountainbiken … kann man alles machen. Deshalb finde ich, ist Wien einfach ein toller Kompromiss gewesen. Und deshalb empfinde ich es als Luxus, dass ich eigentlich beides habe. Ich habe in Tirol daheim die Berge. Ich kann jederzeit heimfahren zu meinen Eltern. Die freuen sich natürlich jedes Mal sehr, wenn ich komme. Und bin aber auch in Wien, wo ich ein bisschen Multikulti und verschiedene Dinge machen kann.

 

Marina Herzmayer:    Jetzt hört man schon sehr deine Vielfalt heraus. Also du hast vorher schon angemerkt, wie viele Musikinstrumente du gelernt hast, mehrere Studien in total unterschiedlichen Gebieten. Also Wien war bunt für dich. Aber was glaubst du, hat sich in Wien für dich ergeben oder was konntest du erleben und kennenlernen, was vielleicht in Mariastein, in deiner Heimatgemeinde, nicht möglich gewesen wäre für dich?

 

Stefanie Bramböck:   Also natürlich ist Wien aufgrund dessen, dass es eine Großstadt ist und viel mehr Menschen dort leben, einfach oft bunt und groß und aufregend und neu gewesen. Und das hat mich natürlich fasziniert … das Neue, dort kenne ich mich gar nicht aus und muss mich erst einmal zurechtfinden … das hat mich fasziniert. Ich glaube aber, dass es im Grunde nicht darauf ankommt, wo du bist. Du kannst genau die Sachen, die du in Wien verfolgst und die dir Spaß machen, auch in Tirol machen. Es war nur für mich der Weg nach Wien irgendwie der logische und aus dem Bauch heraus der richtige Weg für mich, dass ich in Wien lebe und dort meine Erfahrungen mache. Und dort vor allem wahnsinnig viel in Kontakt mit verschiedenen Menschen und Ansichten und Lebensweisen in Berührung komme, mit den zwei unterschiedlichen Studienrichtungen. Und dieses nebeneinander von in der großen Stadt aber doch auch grün. Es gibt ja auch wunderschöne grüne Platzerl in Wien. Das hat für mich einfach so einen wahnsinnigen Reiz gehabt. Ich bin aber davon überzeugt, dass es eigentlich nicht abhängig davon ist, wo man ist, sondern man ist so wie man ist und man entwickelt sich an jedem Ort wo man lebt. Ob das jetzt Tirol ist, oder Wien, ist glaube ich von dir selbst abhängig. Für mich war Wien einfach der Ort, wo ich meine Erfahrungen sammeln kann und wo ich mich weiterentwickeln kann und wo ich nach dem Studium auch ins Arbeitsleben eintauchen wollte und wo ich dann schlussendlich auch mein Zuhause gefunden habe. Denn ich habe auch in Wien selbst glaube ich insgesamt sieben Mal die Wohnung gewechselt. Ich war manchmal mitten in der Stadt, wo es richtig laut war und habe direkt neben den Lokalen gewohnt. Und jetzt mit Kindern doch eher draußen, ein bisschen außerhalb, wo es ruhiger und grüner ist. Also da in Wien selbst gibt es unterschiedliche Ort, wo es für mich immer die richtige Wohnung zur richtigen Zeit gegeben hat.

 

Marina Herzmayer:    Mhm [lacht]. Und in wie fern – also du hast es gerade gesagt, du hast ganz viele verschiedene Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen und so kennengelernt – in wie fern würdest du sagen, hat dir das dann auch wirklich beruflich in deiner Laufbahn oder in den Einstieg auch geholfen?

 

Stefanie Bramböck:   Also die zwei Studien, die ja sehr unterschiedlich waren, haben mir dann eigentlich insofern gezeigt, dass es bei der Berufswahl oder bei dem, was man dann wirklich machen will, eigentlich gar nicht so auf den Inhalt darauf ankommt. Denn bei beiden Studien, die sehr unterschiedlich waren, bin ich dann darauf gekommen, geht es bei mir eigentlich ums Ausdrücken, Mitteilen und Kommunizieren. Und das war halt beim einen die Musik; über die Musik zu kommunizieren; mit der Musik mich auszudrücken und mitzuteilen. Und bei Sozioökonomie … das war ja auch ein sehr wissenschaftlich angehauchtes Studium, wo es sehr viel zu schreiben, texten, lesen, dann wieder darüber zu schreiben gab … und es ist da auch um Kommunikation gegangen. Und dann habe ich eigentlich gefunden … gezeigt hat mir das: Was mache ich gerne? Ich rede gerne über Dinge. Ich teile mich gerne mit, anderen Menschen gegenüber. Und ich versuche das vor allem auch sehr über Texte. Also mir hat das Schreiben immer wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und das war dann für mich eigentlich klar … Eigentlich ist es dann gar nicht mehr so wichtig gewesen, was ich jetzt studiert habe. Sondern … das hat man dann auch gesehen wie es dann zur Jobsuche kam. Ich habe jetzt gar nicht so strategisch geschaut, was ich jetzt mit meinen zwei Studien mache. Was will ich jetzt arbeiten? Sondern über meine Interessen habe ich eben schon im Laufe des Studiums, aber dann eben auch nachher, einfach Menschen kennengelernt, die jemanden gesucht haben, der gerne kommuniziert. Und dann habe ich den ersten Job – vorher habe ich noch ein bisschen auf der Uni gearbeitet – aber dann bin ich relativ rasch in die Kommunikationsbranche gekommen über das Netzwerken und über Gespräche. Und da ist es dann eigentlich darum gegangen, dass ich Texte schreibe, dass ich Pressearbeit mache, dass ich für Unternehmen Berichte schreibe. Und das war dann eigentlich ein bisschen losgelöst von meinen Studien. Und manche haben dann schon auch gesagt: „Jetzt musst dich aber schon einmal entscheiden.“, oder „Du musst einmal was fertigmachen oder dich für was entscheiden. So vielseitig … ja ok, aber irgendwann muss man einmal das Eine machen.“. Und das finde ich nämlich überhaupt nicht. Also für mich wäre das nicht der Weg gewesen, sondern ich habe einfach herausgefunden, dass es eigentlich das Kommunizieren ist, was ich gerne mache. Ich rede gerne, wenn mich etwas begeistert. Und das war dann relativ unabhängig von den zwei Studien. Und Musik, war dann aber auch klar, ist für mich einfach immer ein Hobby und das ist sowieso immer da. Die Musik brauche ich nicht als Job. Ich muss das nicht studieren, weil ich mache die Musik ja sowieso. Das gehört zu mir dazu. Mal mehr, mal weniger. Und deshalb war das dann irgendwie klar, dass der Job etwas anderes sein wird. Und dann kam ich eben über die Kontakte und über die Netzwerke zur Kommunikationsbrache und in die Agenturwelt. Und das war super aufregend. Da habe ich 24 Stunden 7 Tage die Woche gearbeitet für tolle Unternehmen. Habe viel gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Und das war dann der richtige Fulltime-Job, sozusagen.

 

Marina Herzmayer:    Und du hast dich ja auch einmal kurz in die Selbständigkeit hineingewagt. Was würdest du da sagen, waren dabei so die Herausforderungen, die man definitiv bedenken sollte, wenn man selbst so etwas angeht?

 

Stefanie Bramböck:   Also ich habe mich in die Selbständigkeit gewagt, weil ich mir eigentlich gedacht habe, was ich da in der Agentur so gemacht habe, kann ich doch als Selbständige auch machen. Und da bin ich dann aber relativ rasch wieder auf den Boden der Tatsachen geholt worden. Weil da dieses eher Spontane und das Bauchgefühl und das ein bisschen nicht sehr geplante Vorgehen meiner Meinung nach ein bisschen schwierig ist. Weil eine Selbständigkeit heißt wirklich, du musst selbst dich sehr gut positionieren, du musst einen Plan haben, wie du Kundschaften bekommst, wie du deine Einnahmen generierst. Und ich habe keinen Plan entworfen. Einen Plan, wie ich das jetzt in den nächsten zwei bis drei Jahren aufsetze. Und da habe ich dann gemerkt, bin ich ein bisschen die Falsche dafür. Also das ist nicht so einfach. Die Aufträge liegen ja nicht von selbst am Tisch. Da muss man sich das alles gut überlegen und muss man sehr strategisch vorgehen. Und das bin nicht ich. So bin ich nicht, weil ich einfach anders ticke ein bisschen. Das hätte sich dann ein bisschen gewollt und sehr erzwungen angefühlt. Und dann habe ich auch gesagt, nein, das ist für mich im Endeffekt dann auch nicht erfolgreich. Man ist zwar flexibel und man kann arbeiten wo man will und wann man will, aber das wäre finanziell einfach auch schwierig gewesen, weil da gehört einfach eine ordentliche Strategie und Planung dazu. Und deswegen war das für mich dann definitiv nicht der richtige Weg und habe ich dann doch wieder eine Anstellung gesucht, wo ich nicht für diese Akquise und für das Planen und das strategische Vorgehen selbst verantwortlich war, sondern eher gleich fürs Machen und Tun. Das ist dann eher so das, glaube ich, wo einfach mein Herz liegt.

 

Marina Herzmayer:    Es ist definitiv bestimmt wichtig auch zu wissen, wer nicht sein Deckel ist … auch in der Arbeitswelt [lacht].

 

Stefanie Bramböck:   Absolut! Finde ich auch! Das habe ich auch genauso immer beschreiben und erzählt. Ich habe auch sehr Respekt vor Menschen, die die Selbständigkeit gewagt haben und dort sehr erfolgreich sind und weiß auch, was da dazugehört.

 

Marina Herzmayer:    Ja, und vor einigen Jahren hat sich dann wieder etwas Neues für dich ergeben. Du bist jetzt bei Discovering Hands angekommen, kann man definitiv so sagen. Du bist Geschäftsführerin dort. Erkläre uns doch einmal vorab kurz, was ist Discovering Hands?

 

Stefanie Bramböck:   Also da darf ich nur eines noch davor sagen, dass genau da die Bauchentscheidung und das Nicht-Geplante so gut funktioniert hat, weil die Agentur war definitiv der richtige Zeitpunkt für meine wildere Zeit, wo ich keine Kinder hatte und man hat eh das Gefühl, man kann die ganze Welt jetzt niederreißen. Und dann habe ich aber gemerkt, auch mit Kindern und wenn man dann doch ein bisschen geplantere Tage haben will, ist die Agentur nicht das Richtige. Und dann kam wieder über meine Kontakte, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe, diese Möglichkeit zu Discovering Hands zu kommen. Und ich habe da auch nicht lange überlegen müssen und habe dann einfach sofort auch „Ja“ gesagt. Aus zwei Gründen: Einerseits, weil der Zeitpunkt der richtige war, mit Kind. Und ich wollte ein bisschen weniger erreichbar immer sein und, dass der Job nicht gar so viel Zeit einnimmt. Aber auch inhaltlich. Ich habe die Idee von Discovering Hands sofort super gefunden und das war für die Zeit auch genau das, was ich gesucht habe. Nämlich ein bisschen mehr Sinnhaftigkeit in dem, was ich mache. Die Idee von Discovering Hands ist, dass wir blinde und sehbehinderte Frauen zu Tastuntersucherinnen ausbilden. Denn diese Frauen habe aufgrund ihrer Blindheit und Sehbehinderung einen ausgeprägteren Tastsinn und können früher als ihre sehenden Kolleginnen und Ärztinnen Tumore oder Karzinome entdecken, indem sie ihn ertasten. Sie haben einen wirklich ausgezeichneten Tastsinn und können ganz kleine Veränderungen schon bemerken, bei der Tastuntersuchung. Und je früher man natürlich den Krebs erkennt, desto besser. Und deshalb ist das eine wunderbare und eine sehr wichtige Ergänzung zur Brustkrebsfrüherkennung. Und der zweite Aspekt, der mir eigentlich fast noch mehr gefallen hat, war, dass man damit auch blinden Frauen eine Jobchance bietet. Weil es ist nicht einfach, als blinde Frau einen Job zu finden. Und das ist eine der wenigen Ideen, wo ihre vermeintliche Behinderung eigentlich zu einer Begabung wird, weil sie etwas machen, was andere nicht so gut können. Und die Idee hat mich einfach total umgehauen. Ich habe mir gedacht, das ist ja super und das brauchen wir in Österreich auch. Und habe dann eigentlich relativ spontan zu der Geschäftsführung „Ja“ gesagt. Vor allem auch, weil es eine Geschäftsführung war, die ich mir mit Kindern auch vorstellen konnte. Weil es weg war von so einem sehr schnelllebigen Jobleben, hin, doch zu einem Thema. Es ist jetzt nicht alles super schnell und super wichtig zu erledigen, sondern man kann planen. Und das war dann einfach genau das richtige Jobangebot im richtigen Moment. Und da habe ich, ohne lange zu überlegen, „Ja“ gesagt.

 

Marina Herzmayer:    Das heißt, ihr bildet die Tastuntersucherinnen selbst aus? Oder wie läuft das ganze ab?

 

Stefanie Bramböck:   Also wir bei Discovering Hands bilden diese Frauen aus, zusammen mit Ärzten und Ärztinnen natürlich und mit Schulungszentren. Und wir organisieren dann auch, dass diese ausgebildeten Frauen dann bei Ärzten in den Praxen, in Gesundheitszentren arbeiten können. Das ist meine Aufgabe. Also ich sichere die Ausbildung, ich organisiere die Ausbildung und ich schaue dann, dass es danach einen Arbeitsplatz gibt, wo diese blinde Tastuntersucherin dann auch arbeiten kann. Und es ist eine sehr kleine Initiative noch in Österreich, obwohl es sie schon ein bisschen länger gibt. Aber es war nicht so einfach mit den rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich, dass das alles so sein darf, wie es jetzt ist. Dass die auch wirklich tasten dürfen, da mussten wir eine Studie durchführen, die noch einmal beweist, dass diese Methode auch wirklich wirksam ist. Das haben wir aber alles geschafft und es wurde auch alles wissenschaftlich bewiesen, dass die wirklich besser und mehr ertasten. Und jetzt ist eben die Aufgabe – drei blinde Tastuntersucherinnen in Wien haben wir schon – und jetzt beginnen wir im Sommer mit den nächsten vier, die wir ausbilden. Das dauert dann knapp ein Jahr. Und dass wir dann auch Ärzte finden, bei denen die dann fix arbeiten können.

 

Marina Herzmayer:    Was muss eine Tastuntersucherin mitbringen? Ist es rein quasi diese Behinderung der Blindheit oder ist etwas anderes auch noch sehr wichtig?

 

Stefanie Bramböck:   Es ist sehr vieles wichtig, weil es geht nicht nur ums Tasten. Es geht nämlich auch um eine soziale Kompetenz, die man unbedingt mitbringen muss. Weil man muss sich vorstellen, als Tastuntersucherin hat man es da mit Frauen zu tun, die zu dir kommen, weil sie Angst haben, Krebs zu haben; weil sie jemanden kennen, der an Krebs verstorben ist; weil sie gerne möglichst früh damit anfangen wollen, aber sie wissen eigentlich nicht genau, wie Brustkrebsvorsorge passiert und was man da machen muss. Also man muss ein gutes soziales Gespür für Menschen haben und das wird auch in einem Assessment vorab geprüft. Sowohl die Tastfähigkeit – weil es ist nicht jede blinde Frau geeignet und hat diese Tastfähigkeit. Da gibt es so Übungen und Prüfungen, wo man die Tastfähigkeit unter Beweis stellen muss. Und dann vor allem auch die sprachliche und soziale Kompetenz. Weil es ein sehr sensibles Thema ist und man mit sehr viel Emotionen auch zu tun hat. Und deshalb ist die Kombination wichtig, dass man beide Dinge mitbringt. Und deshalb ist auch nicht jede geeignet, sondern in diesem Assessment gibt es dann immer wieder leider Frauen, die auch selber dann erkennen, nein, das ist es doch nicht für mich.

 

Marina Herzmayer:    Wie ich jetzt herausgehört habe, ist das eine sehr junge Initiative in Österreich, wenn wir gerade drei Tastuntersucherinnen haben. Gibt es da eine Möglichkeit, das ganze zu fördern und zu unterstützen?

 

Stefanie Bramböck:   Ja. Also wir sind sehr angewiesen auf alle möglichen Formen der Unterstützung und Weiterempfehlung. Am meisten hilft uns, wenn man uns weitererzählt. Wir sind ein kleines Team. Wir haben jetzt auch kein riesiges Marketing- und Werbebudget. Am meisten hilft man uns, indem man erzählt, es gibt drei Tastuntersucherinnen in Wien; dort kann man hingehen, dort kann man eine Tastuntersuchung buchen; dort kann man auch eine Schulung buchen, wo sie dir als Frau zeigen, wie du dich selbst regelmäßig abtastest und wie du dich selbst beobachten kannst. Also wenn so eine Weiterempfehlung passiert, dann ist uns schon einmal sehr geholfen, damit wir nämlich noch bekannter werden. Und natürlich auch, wenn jemand einen Arzt oder Ärztin kennt, die da sehr offen ist für so eine Methode, das in der Praxis anzubieten – weil die arbeiten immer im Team zusammen, die blinde Frau und der Arzt. Weil der Arzt dann auch sich beratschlagt mit der blinden Tastuntersucherin, wie jetzt der Befund war. Also die Tastuntersucherin tastet alleine, ohne Arzt, aber teilt es dann dem Arzt mit und dokumentiert das auch anhand ihrer Streifen genau und kann genau sagen, wo hat sie etwas ertastet. Und der Arzt bespricht sich dann mit der Tastuntersucherin und entscheidet dann: Ok, da war etwas, da ist etwas ertastet worden, da braucht es einen nächsten Schritt der Abklärung, Mammographie oder Sonographie oder Ultraschall. Deshalb sind wir auch immer sehr angewiesen auf Ärzte und Ärztinnen, die das unterstützen und die in ihren Praxen und Einrichtungen so eine MTU beschäftigen. Also wenn da jemand einen tollen Frauenarzt oder eine tolle Frauenärztin kennt, dann sind wir sehr dankbar, wenn da das Wort Discovering Hands fällt und man uns einfach weiterempfiehlt, damit man sich das einmal anschauen kann.

 

Marina Herzmayer:    Auf jeden Fall eine sehr positive Sache. Hat sich für dich persönlich auch etwas geändert dadurch, dass du gesagt hast, du verlässt quasi den Bereich der Agentur, des 24/7, und gehst in einen doch sozialen Bereich hinein?

 

Stefanie Bramböck:   Ja, das war eine große Veränderung eigentlich auch. Weil in der Agentur- und Kommunikationsbranche geht es ja nicht immer nur um die Sinnhaftigkeit, sondern da geht es schon auch viel darum, aus kleineren Inhalten größere Inhalte zu machen. Also es ist auch um Themen gegangen, die mich persönlich jetzt nicht so interessiert haben und ich habe trotzdem einen Text darüber schreiben müssen. Und im Laufe der Jahre ist mir das dann immer ein bisschen mehr gegen den Strich gegangen und habe mir gedacht, dass ich da eigentlich gar nicht mehr so dahinterstehe; ich will das jetzt eigentlich gar nicht schreiben. Und ich habe dann irgendetwas gesucht, wo ich wirklich dahinterstehe und wo ich auch wirklich für mich eine Sinnhaftigkeit sehe und wo ich das Gefühl habe, ich kann einen kleinen, kleinen Beitrag zur besseren Welt leisten. Und das hat sich so entwickelt. Das ist irgendwie entstanden in mir, dieses Bedürfnis, dass ich da einfach in den sozialeren Bereich ein bisschen eintauche, um dort ein bisschen was zurückzugeben. Und Discovering Hands war dann genau so eine Idee die jetzt, ohne dass ich selbst Gott sei Dank bisher mit Brustkrebs in Berührung gekommen bin, war das genau so ein Thema, wo ich einfach eine totale … da brauch ich gar nicht nachdenken, ich finde das toll! Ich finde die Frauen toll! Die blinden Tastuntersucherinnen sind für mich einfach nur bewundernswert, wie sie das alles meistern und schaffen und noch dazu kann man Brustkrebs früher erkennen. Also da brauche ich nicht lange nachdenken oder irgendetwas mir zurechtrücken. Das ist einfach eine tolle Sache und eine wichtige Sache und das war dann für mich sehr schön, dass ich etwas mache, wo ich wirklich jeden Tag nachhause gehe und sage: „Cool, ich finde das super, dass ich das mache. Weil das hat wirklich einen Sinn.“

 

Marina Herzmayer:    Mhm. Das heißt, Gutes zu tun und die Sinnhaftigkeit in einer Sache, ich glaube das liegt dir allgemein sehr am Herzen. Ich habe auch noch ein kleines Projekt in deiner Ursprungsheimat gefunden, das du mit deinem Bruder machst. Magst du einmal davon erzählen? Das ist auch eine sehr, sehr schöne Sache.

 

Stefanie Bramböck:   Genau! Genau! Mein Bruder ist Imker, unter anderem. Er macht auch verschiedene Dinge, aber er ist vor allem Imker. Gemeinsam mit meinem Papa hat er angefangen unseren eigenen Honig zu machen. Und hat im Zuge dessen natürlich auch mit der Varroamilbe zu tun gehabt. Das ist Imkern ein Begriff. Das ist ein bisschen eine Milbe, die leider die Bienen ein bisschen schädigt und da gab es dann Mittel zur Bekämpfung. Aber das ist gar nicht so einfach. Das ist kompliziert, wie man diese Milbenbekämpfung macht. Und dann hat der Martin die Idee gehabt, es ist eh schon so vieles am Handy, warum nicht auch den Imkern da eine App in die Hände geben, wo sie sich da Hilfestellungen geben lassen können, damit sie diese Varroamilben-Behandlungen besser durchführen können. Und ich bin jetzt inhaltlich – ich bin jetzt nicht die Imkerin, das war immer mein Bruder, der da der Spezialist ist und der diese ganzen Fragen beantwortet hat, wenn es ums Imkern ging – aber ich habe halt da auch wieder, weil ich fand das super … Erstens haben wir unseren eigenen Honig gehabt, der wunderbar schmeckt. Und ich fand auch das Thema spannend, dass man auch neben der Varroamilbe generell auf ein bisschen Bienenfreundliche Gärten achtet. Also man kann auch viel Gutes tun für Bienen, damit die ordentlich viel Nahrung finden. Und habe dann ihm angeboten: Martin, ich schreib dir da Texte. Weil natürlich ist es darum gegangen, eine Homepage zu machen oder ein paar Texte zu schreiben für Einreichungen. Ja, dann haben wir alle zusammengeholfen und dann ist das richtig ein Bramböck-Familienprojekt geworden. Und die App heißt BeeBuddy-App und BeeBuddyGarden-App; das sind eigentlich zwei. Und die kann man sich als Imker, aber auch als Gartenliebhaber downloaden und dann kann man Gutes tun für die Umwelt und für seine eigenen Bienen.

 

Marina Herzmayer:    Ein sehr schönes Projekt. Beim Stichwort Familie bleibe ich gleich. Du hast ja selbst inzwischen sogar zwei Söhne. Also bist eine Mama, die gut gefordert ist. Wie ging es denn dir so als Freigeist, behaupte ich jetzt einmal, mit der Umstellung? Du hast gesagt, 24/7-Agentur und dann ist da doch eine neue Aufgabe, eine neue Rolle, die dich auch 24/7 braucht und beansprucht. Wie ist es dir damit gegangen?

 

Stefanie Bramböck:   Also der Maximilian, der ist jetzt vier. Also wie der auf die Welt gekommen ist war das wirklich … das ist ein anderes Leben, ein neues Leben, ein anderes Leben. Ein Baby ist einfach wahnsinnig spannend. Also ganz etwas nicht Vergleichbares mit dem davor. Egal, welchen Job man gehabt hat. Das war einfach ein richtiges Wunder, das muss ich schon so sagen. Und es war aber natürlich auch klar, dass ich dann irgendwie … Meine Prioritäten haben sich dann ganz automatisch verschoben. Dieses ständige erreichbar sein am Abend, zu der Netzwerkveranstaltung zu gehen und dort hingehen … das war dann natürlich alles in dem Fall dann nicht mehr so wichtig. Es ging auch gar nicht. Und natürlich hat es da schon Momente gegeben, wo ich mir gedacht habe: „Puh, ist jetzt mein Leben ein bisschen vorbei? Jetzt bin ich da zuhause mit dem Maximilian …“. Aber es war auch trotzdem unfassbar schön und es war eigentlich auch keine bewusste Entscheidung, sondern es hat sich dann so entwickelt, dass ich natürlich dann gesehen habe, ok, ich möchte so einen Job jetzt eigentlich nicht mehr machen, wo ich bis Mitternacht E-Mails lese und am nächsten Tag wieder aufstehe und dann wieder dort weitermache, wo ich in der Nacht aufgehört habe. Sondern, da brauche ich jetzt einfach ein bisschen mehr Rhythmus und ein bisschen mehr Ordnung, damit ich das alles unter einen Hut bekommen. Weil es ist definitiv Organisationsarbeit, wenn man doch arbeiten will aber auch mit Kindern. Und deshalb war dann für mich die Agentur eigentlich nicht mehr die richtige Jobwahl, weil es sich da nicht so gut verbinden hat lassen. Ich habe dann eben gesucht, was sich da besser eignet dafür und habe dann eh Gott sei Dank einen Job gefunden, wo ich eben beides sehr gut unter einen Hut bekomme. Und mit dem zweiten Kind ist das sogar dann noch mehr geworden. Also zwei Kinder waren dann definitiv noch einmal eine Veränderung. Aber ich genieße jetzt sogar fast noch ein bisschen mehr diese Zeit mit Kindern und kann mich noch gut erinnern: Nach dem ersten Kind war ich schon so … Ich muss schon gleich wieder arbeiten und will wieder gleich voll einsteigen. Beim zweiten Kind war es für mich auch klar, dass ich jetzt nicht nur daheim sein möchte bei den Kindern, aber ich habe sogar noch mehr die Welt durch die Kinderaugen gesehen und noch mehr genossen, dass ich mit meinen Kindern Zeit verbringen kann. Das hat sich ein bisschen geändert vom ersten zum zweiten Kind. Trotzdem war für mich immer klar, ich möchte daneben meine Sachen machen und meine Musik auch machen, obwohl das wirklich ein bisschen schwierig geworden ist mit zwei Kindern. Aber, dass ich das alles unter einen Hut bringen will, das war für mich immer klar. Und das mache ich auch.

 

Marina Herzmayer:    Jetzt stellt sich mir persönlich aber recht schnell die Frage … Du bist Geschäftsführerin. Du bist sehr gerne Mama, aber – glaube ich – auch sehr gerne Geschäftsführerin bei Discovering Hands. Wie habt ihr das angestellt in der Firma oder mit welchem Modell hast du das gelöst, dass sich das trotzdem beides ausgeht?

 

Stefanie Bramböck:   Ahm, damit man das unter einen Hut bekommt, gehört einmal vor allem dazu natürlich, dass man tolle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat, wo man das Vertrauen hat, dass sie das auch wirklich hinbekommen, wenn man einmal eben nicht mehr so verfügbar ist. Und ich habe das Glück, dass ich eine ganz besonders tolle Mitarbeiterin habe, wo wir uns dann quasi so eine Art geteilte Geschäftsführung ausgemacht haben. Sie hat selbst drei Kinder und wir haben beide gewusst, beide total Vollzeit und nur Geschäftsführerin wäre für uns beide nicht möglich. Aber zusammen schaffen wird das. Und wir haben dann ein Modell gefunden, das ist jetzt nicht wahnsinnig formalisiert oder verschriftlicht worden, sondern wir haben einfach gesagt, wir sind jetzt beide Geschäftsführerinnen und du vertrittst mich, wenn ich nicht kann, und ich vertrete dich, wenn du nicht kannst. Das ist natürlich in unserem kleinen Team sehr einfach, das so zu lösen, aber die geteilte Geschäftsführung ist für uns beide die Möglichkeit, dass wir die Kinder und das ganze und auch die Geschäftsführung mit den Aufgaben und Entscheidungen die zu treffen sind, unter einen Hut bekommen.

 

Marina Herzmayer:    Das finde ich eine total geniale Idee. Welche Vorteile würdest du jetzt sagen, ergeben sich vielleicht jetzt nicht nur bei euch, wo ihr das ja schon so handhabt. Aber wenn du jetzt weiterdenkst, für andere Unternehmen ist das ja definitiv auch ein Thema. Welche Vorteile würden sich für ein Unternehmen ergeben, wenn man Geschäftsführungen aufteilt?

 

Stefanie Bramböck:   Also ich finde ein großer Vorteil ist, dass man sich austauschen kann. Wenn du alleine Geschäftsführerin bist, dann musst du auch alleine alle Entscheidungen treffen. Und ich finde, das trifft natürlich vielleicht eher mehr für Unternehmen zu, die noch ein bisschen kleiner sind, vielleicht auch etwas machen, was noch nicht sehr etabliert ist. Das ist natürlich bei uns aufgelegt, weil Discovering Hands ist eigentlich immer noch ein kleines Startup, das Überzeugungsarbeit leisten muss. Und da gibt es viele ungeklärte Fragen noch und Baustellen. Und da ist es wahnsinnig toll, dass man das nicht alles alleine entscheiden muss, sondern, dass man da sich immer besprechen kann. Und ich finde es immer besser, gerade wenn man sich nicht sicher ist – und man ist sich oft nicht sicher – wenn man da kurz den Check machen kann – Wie siehst du das? Und oft kommen dann Sachen heraus, auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Und umgekehrt genauso, dass die Anna, meine Co-Geschäftsführerin, eben auch Dinge dann so macht, weil sie mit mir gesprochen hat. Wo sie gedacht hat, so hätte sie das alleine gar nicht gemacht und so ist es eigentlich besser. Ich finde, dieses Austauschen ist der größte Vorteil. Und natürlich diese Flexibilität, die wir haben, dass wir nicht Dinge, die bei Kindern einfach einmal ungeplant sind wie ein Arztbesucht oder man muss ein Kind einmal schnell abholen, dass dann nicht nichts passiert, weil ich bin einfach da in der Zeit und unterstütze sie in der Zeit, wo sie jetzt gerade nicht kann. Und das ist aus Sicht des Unternehmens super, weil dann gibt es keine Lücke. Da gibt es dann eigentlich immer jemanden, der zumindest erreichbar ist und beide sind wir aber auch glücklich, dass wir das unter einen Hut bekommen und haben nicht nur ein schlechtes Gewissen, wenn wir tagelang unsere Kinder kaum sehen. Und das ist ein Vorteil, finde ich.

 

Marina Herzmayer:    Jetzt ist mir doch einiges aufgefallen. Also du hast gesagt, wir bekommen das unter einen Hut, wir haben drei Kinder, wir machen die Arztbesuche und wir haben kein schlechtes Gewissen. Ihr habt hoffentlich beide auch Männer? Wie handhabt ihr das mit euren Partnern?

 

Stefanie Bramböck:   Also erstens einmal, es gibt Männer; beide Männer gibt es Gott sei Dank. Und die machen auch ganz viel. Es ist bei mir so, dass mein Freund und ich uns das aufteilen. Kindererziehung ist Aufgabe von uns beiden und mein Freund macht auch sehr viel. Er hat auch einen sehr flexiblen Job und kann viel von zuhause aus arbeiten. Er kann es sich relativ gut auch einteilen. Und ich habe einfach am Anfang immer gesagt, ich möchte nicht nur zuhause bei den Kindern sein, weil ich bin ja weiterhin die Steffi, die gerne redet und schreibt und etwas macht. Und ich möchte einfach beides machen. Und da muss man sich dann einfach zusammenfinden. Da muss man ein Team werden. Und das ist uns bisher sehr gut gelungen. Mein Freund macht seinen Job und versucht auch seine Zeit mit den Kindern unterzubringen und ich mache meinen Job. Natürlich ist es schon so … ich finde gerade wenn Kinder ganz klein sind und Babys sind, dann war für mich schon klar und logisch, dass da ich einmal zuhause bin und da vor allem mehr die Kindererziehung habe. Alleine schon bei Themen wie das Stillen, das ist einfach, finde ich, schon ein bisschen so vorgesehen, dass das einfach die Mama macht. Und das war für mich überhaupt kein Thema, dass ich da jetzt natürlich viel zuhause bin, gerade am Anfang und dass ich da einmal überhaupt nicht arbeite und dass da mein Freund eben schon mehr arbeitet. Aber es ist für mich einfach eine gemeinsame Aufgabe. Und wie man die löst, muss eh jedes Paar für sich herausfinden. Aber dass das nur einer macht, oder einer mehr als der andere, wäre jetzt nicht unser Weg. Es ist halt einfach bei uns eher so ein, da wir beide sehr flexibel sind, ist es manchmal er und manchmal ich, der mehr macht. Es ist kein fixes Modell, sondern wir schauen einfach, je nachdem wie viel los ist im Job, muss halt der andere gerade mehr machen und dann mache ich mehr. Und das muss sich halt im Endeffekt irgendwie die Waage halten. Dass es auch Phasen gibt, gerade wie am Anfang, wo ich viel mehr gemacht habe, die waren schön und finde ich auch völlig für uns so richtig, dass ich da zuhause war. Aber wir sind da beide gleichberechtigt. Und ich finde auch, Gott sei Dank war das auch nie ein großes Thema. Ich glaube das hängt auch sehr vom Mann ab, wie der das sieht … Gott sei Dank bei uns war das klar, die Kinder sind beide unsere Kinder und wir machen das beide gemeinsam. Die Organisation haben beide. Beide müssen beides unter einen Hut bekommen … Kinder und Job.

 

Marina Herzmayer:    Mhm. Du hast es schon angesprochen: Viele Sachen sind einfach von der Biologie des Menschen so vorgegeben. Da haben wir keine große Wahl, aber auch ein großes Geschenk, würde ich einmal sagen. Wie hast es du trotzdem so gesellschaftlich wahrgenommen? Auch das Thema Mutter sein. Was war da für dich gut oder was würdest du sagen, da wären Änderungswünsche definitiv vorhanden?

 

Stefanie Bramböck:   Es ist schon so, dass man als Frau öfter gefragt wird: „Wie machst du denn das jetzt mit der Arbeit?“ Das wurde der Johannes wahrscheinlich kaum bis gar nicht gefragt. Das nimmt man schon so wahr, dass das Thema, wie man das jetzt unter einen Hut bringt, einfach Frauen beziehungsweise mir öfter gestellt worden ist, als dem Johannes. Aber es war eigentlich nie ein Problem. Also ich habe mich jetzt nie wahnsinnig rechtfertigen müssen. Ich glaube ich leben auch in einer – es kommt natürlich auf die eigenen sozialen Kontakte und Freunde und den Freundeskreis darauf an – aber ich kenne eigentlich kaum Mütter, die jetzt nur mehr zuhause sind, sondern die meisten gehen arbeiten nach einer bestimmten Karenzzeit. Deshalb habe ich das … in meiner Wahrnehmung ist das eh schon etablierter als es noch vor vielen Jahre war oder in der Generation meiner Eltern. Da war das ja noch ganz anders. Ich finde, da hat sich schon einiges getan. Mir fällt nur auf, dass, wenn man in einem Job oder in einem Büro oder während einem Meeting, dass da das Thema Kinder nicht vorkommt. Also zum Beispiel jetzt einmal zu sagen, ich kann jetzt kurz den Zoom-Call unterbrechen, weil die Babysitterin gerade anruft und ich muss jetzt dran gehen oder wenn man zuhause arbeitet und das Baby einmal kurz auf den Schoß nimmt, dann wirkt das immer so … uhm … was soll das? Also die strikte Trennung von Beruf und Kindern. Die Kinder sollte man am besten nicht sehen im Job. Das finde ich ist noch sehr stark ausgeprägt. Entweder ist man bei der Familie oder im Job. Aber beides vermischen, das ist sehr ungewöhnlich. Da wird man auch sofort darauf angesprochen oder da muss man sich auch sofort entschuldigen: „Entschuldigung, ich muss jetzt gerade kurz abheben.“ oder „Entschuldigung, ich muss jetzt kurz das machen für mein Kind.“ Da finde ich, kann man schon noch ein bisschen lockerer werden, dass sich das auch ein bisschen im Job vermischen kann, dass man die Kinder oder das Familienleben – jetzt natürlich nicht dauernd – aber ein bisschen auch sichtbar sein darf und man sich nicht immer entschuldigen muss, wenn man von der einen Welt in die andere Welt switcht.

 

Marina Herzmayer:    Stefanie, vielen Dank für deine Einblicke. Es war sehr, sehr schön mit dir zu plaudern. Jetzt habe ich noch abschließend so … ich weiß nicht … Music was your first love … jetzt ist es sehr stark einmal die Familie. Aber es klingt sehr spannend, was bei dir noch kommt. Ich glaube du hast noch eine Liebe, das ist das Reisen. Wo geht es denn für dich als nächstes hin?

 

Stefanie Bramböck:   Ja! Wir reisen in einer Woche nach Costa Rica. Mit den Kindern haben wir uns entschieden ein paar Wochen in Costa Rica zu sein und werden dort Strand und Dschungel erleben. Und wir finden es auch ganz toll, mit Kindern zu reisen. Und unsere Kinder sind auch die besten Reisepartner, die man sich vorstellen kann. Die sind toll und wir haben es jetzt schon öfter gemacht und ich kann es nur jedem empfehlen, das einmal auszuprobieren. Die Reise mit Kindern ist noch einmal ganz etwas Besonderes.

 

Marina Herzmayer:    Da wünsche ich euch eine richtig, richtig schöne Zeit. Genießt es, mit vielen Eindrücken für deine Familie und dich. Vielen herzlichen Dank, Stefanie Bramböck.

 

Stefanie Bramböck:   Danke.

 

[Musik]

 

Marina Herzmayer:    Herzlichen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhörer. Wenn euch der Podcast gefallen hat bewertet ihn bitte auf Apple Podcast und wenn ihr der Meinung seid, diese Folge sollten mehr Menschen zu hören bekommen, dann empfehlt unser Format gerne weiter.

 

[Musik klingt aus]